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Aus Alt mach Neu

Bau eines Großraumterrariums für australische Wasseragamen

 

 

Nach 14 Jahren Haltung von Grünen Wasseragamen (Physignathus concincinus) stand dieses Jahr ein Bestandswechsel hin zu Australischen Wasseragamen (Intellagama lesueurii) an und damit verbunden auch ein Neubau des Terrariums. Von einem befreundeten Zoohändler erhielt ich kostenlos zwei Aquarien mit den Maßen 200 x 50 x 50 cm, die als Fundament (Wasserteil vorne und Substrat hinten) dienen sollten. Anfang des Jahres erwarb ich dann günstig einen Schaukasten mit den Maßen 200 x 160 x 80 cm. Dieser sollte später als Aufbau genutzt werden, wobei der Rahmen aus Stahl sich bereits bei der Abholung als zu schwer herausstellte, aber allein für die großen Glasscheiben lohnte sich die Abholung. So war der grobe Plan im Vorfeld, frei nach dem Motto „aus Alt mach Neu“! Nachdem das alte Terrarium abgebaut war, begann ich mit einem Unterbau aus Holzbalken, der zur Sicherheit mit Teichfolie umkleidet wurde, um evtl. austretendes Wasser in dieser Wanne aufzufangen. Passgenau auf die Balkenkonstruktion sollten die Seitenscheiben der beiden Aquarien stehen. (Bild rechts).

 

Statik will beachtet werden

 

Bereits beim Hochtragen der Aquarien in den ersten Stock mit vier Personen kamen erste Zweifel zum Gesamtgewicht des ganzen Terrariums auf. Letztendlich hält eine Betondecke, bzw. der Estrich nur ein bestimmtes Gewicht pro Quadratmeter aus und laut Internet ist nach DIN Norm bei Stahlbetondecken 1 bis 1,5 kN/m² (ca. 153 kg/m²) als Verkehrslast vorzusehen. Allein das vordere Aquarium, welches später mit etwa 25 cm Wasser befüllt werden soll, würde mit Kies und Glas um die 350 kg auf einem Quadratmeter wiegen. Hinzu kämen noch der spätere Aufbau mit Rück, Seiten- und Frontscheiben, sowie der Deckel mit Beleuchtung und Einrichtung. Nach einer Menge Rechnerei und einigen Bedenken, wurde der Plan mit zwei Aquarien verworfen und der Substratbereich durch zwei leichtere 90 Liter Maurerkübel ersetzt. Des Weiteren wurde die rückseitige Glasscheibe mit den Maßen 198 x 155 cm mit zwei Latten und U-Profilen (oben und unten) an die Wand gedübelt, sodass dieses Gewicht ebenfalls nicht einberechnet werden muss. Die untere Balkenkonstruktion wurde hinten zusätzlich mit zwei großen Stahlwinkeln an der Wand befestigt um weitere Belastung auf die Mauern zu übertragen. Der Lichtkasten wurde an der Zimmerdecke hängend angebracht und dadurch noch mehr Gewicht vom Boden auf andere tragende Teile verlagert. Insgesamt liegt die Belastung vermutlich immer noch bei 400 kg pro Quadratmeter, aber das sollte die Betondecke aushalten. Nachdem nun also das Fundament mit Aquarium und Substratbehältern stand, begann der Bau des eigentlichen Terrariums. Hier musste ich mich an den Maßen der Scheiben aus dem Schauschrank orientieren und da eine Tiefe von einem Meter vorgesehen war, wurden hinten circa 25 cm mit Siebdruckplatten versehen. Dies hat aber auch seine Vorteile, denn so ergibt sich etwas seitlicher Sichtschutz und eine Rückseite für die späteren Felsen. Die Seitenscheiben liegen in U-Profilen und können nach vorne herausgezogen werden, sofern Arbeiten im Terrarium erledigt werden müssen und man aufgrund der Tiefe von einem Meter nicht ohne weiteres an die Rückwand, Pflanzen oder anderem komme.

Felswände und Fotorückwand – Ein heikles Thema

 

Für die Rückwand hatte ich mir eine Kombination aus großflächigem Foto und künstlichen Felsen vorgenommen. Das Bild für die Rückseite hatte ich mir zuvor drucken lassen und es von außen an die rückseitige Scheibe geklebt. Links und rechts sollten in den Ecken Felswände mit Vorsprüngen eingebaut werden, die sich optisch am Foto orientieren. Die Nutzung einer Fotorückwand ist nicht unumstritten, gilt als überholt oder veraltet und ich habe mir lange und ausgiebig Gedanken gemacht. Auf jeden Fall wollte ich nicht auf genügend Felsplateaus verzichten, da große Echsen diese gerne zum Verweilen nutzen. Aber auch die Fotorückwand sollte eingebaut werden und dies nicht nur aus rein optischen Gesichtspunkten, sondern ebenso, um unter anderem bewusst eine falsche Tiefe vorzutäuschen. Viele Terrarien haben blickdichte Seiten- und Rückwände und bei schreckhaften Tieren kann dies zu einem Gefühl der Ausweglosigkeit führen. Sie stecken in einer Sackgasse, der Mensch steht direkt vor ihnen und jeder Fluchtweg ist abgeschnitten. Nicht selten klettern sie dann hektisch an der senkrechten Rückwand herum. Dies wollte ich umgehen, indem ich eine vermeintliche Fluchtmöglichkeit biete und das Stressempfinden bei den Tieren senke, sofern denn eine Wahrnehmung der Fotorückwand als 3D den Tieren überhaupt möglich ist. Hier liegen derzeit nach einigen Recherchen noch keine klaren Aussagen vor. Nun werden einige sagen, dass dies zu Scheibenspringen führen wird, aber dem ist nicht so. In zwei Terrarien für die eher schreckhaften Langschwanzagamen hatte ich diese Kombination umgesetzt und die Tiere springen nie gegen die Fotorückwand, sind aber um einiges entspannter als in einem Terrarium mit komplettem Fels. Zudem kann ich durch die Fotorückwand mittig im Terrarium die komplette Tiefe von einem Meter nutzen. Bei kompletten Rückwänden gehen einige Zentimeter an Raum verloren. Bei 5 – 10 cm Dicke der Rückwand sprechen wir bei zwei Meter Breite schon von etwa 5% und bei der Tiefe sogar von 10% mehr Raum. Den Einwand der Klimaregulierung durch eine Felsrückwand (z. Bsp. Hyptertufa) darf man durchaus vernachlässigen, denn ein Wasserfall, eine ein Quadratmeter große Wasseroberfläche, Regenanlage mit mehreren Düsen und echte Pflanzen regulieren mehr als eine feuchte Rückwand. Zudem ist eine dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit nicht unbedingt immer anzustreben, denn in vielen tropischen Regionen, bzw. der Grenze zu den Subtropen, der Heimat der Australischen Wasseragamen, fällt die Luftfeuchtigkeit zur Mittagszeit auf um die 50% und erst mit dem später eintretenden Regen erhöht sich diese wieder auf 80% und darüber hinaus.

 

Felsen aus Styrodur und Fliesenkleber

 

Umgesetzt wurden die Felsen mit Styrodur und Flex Fliesenkleber, sowie Abtönfarben. Für die Ecken habe ich je zwei Styrodurplatten mit Silikon im 90° Winkel zusammengeklebt und dann diverse Styrodurteile angesetzt. Die Bearbeitung erfolgte grob mit einem Cuttermesser und später im Detail mit einem Styroporschneider (heißer Metallfaden in einer U-Halterung mit Netzteil). Vor allem der Styroporschneider ist ein gutes Werkzeug um viele Strukturen zu schaffen. Für diesen Rohling habe ich mir sehr viel Zeit gelassen und mehrere Tage an den Feinheiten und der Anordnung der Vorsprünge gearbeitet. Erst als ich vollkommen zufrieden war, wurde zunächst eine dicke und später eine zweite dünnere Schicht Fliesenkleber mit einem Borstenpinsel aufgetragen. Den Fliesenkleber für die dritte Schicht wurde mit Abtönfarbe gemischt und letztendlich waren es fünf Eimer mit unterschiedlichen Farben. Zunächst wurde mit einer Grundfarbe (bräunlich) gestrichen und danach ein dunklerer Fliesenkleber in den Ritzen und Ecken eingesetzt. Nachdem dies durchgetrocknet war, wurden einige Stellen vorsichtig mit weiteren Farben (gelblich und terrakotta/rötlich) versehen. Der Pinsel wurde hierbei sehr schräg gehalten und es sollten möglichst nur die Erhebungen und Kanten mit Farbe gestrichen werden. Zum Schluss wurden noch einige sehr helle Stellen mit weißgefärbten Fliesenkleber erstellt. Bei der Auftragung der Farben sollte man vorsichtig, mit wenig Druck vorgehen und den Pinsel vorher nur ganz leicht mit Material tränken. Weniger ist hier in der Tat mehr. Letztendlich habe ich etwa ein Drittel der Wände und den Großteil des Aquariums mit Felsen versehen und sogar mehr Vorsprünge eingefügt als im vorherigen Terrarium mit einer kompletten Felsrückwand vorhanden waren. Die Tiere haben nicht nur genügend Versteckmöglichkeiten, sondern fünf große Flächen auf unterschiedlichen Höhen für den bevorzugten Temperaturbereich.

 

Bachlauf, Technik und Klima

 

Zwischen den beiden Maurerkübeln am Boden wurde eine Kunststoffplatte verklebt, auf der ich einen Bachlauf mit Styrodurfelsen umgesetzt habe. Eine Kreiselpumpe hinter einer Schaumstoffmatte im Aquarium (Hamburger Mattenfilter) fördert das Wasser hinauf zum Bachlauf, von wo es über einige Kaskaden wieder ins Aquarium läuft. Durch diese Wasserbewegung habe ich bereits eine gute Grundversorgung für die Luftfeuchtigkeit. Als Deckenplatte wurde eine beschichtete Spanplatte verwendet, in der ich die Leuchtmittel eingelassen habe. Beleuchtet wird das Terrarium mit 70 Watt HQI, 70 Watt Bright Sun, 50 Watt Bright Sun und einem 40 Watt LED Panel. An der Querstrebe im Aquarium habe ich zusätzlich noch eine 18 Watt LED Leiste (910lm, 4100 Kelvin) angebracht. Im hinteren Bereich der Deckenplatte befinden sich sechs kleine Lüftungsgitter und vorne unter den Führungsschienen auf der ganzen Breite ein schmales Lüftungsgitter. Mittig in der Deckenplatte wurden vier Nebeldüsen angebracht, die dreimal täglich für reichlich Regen sorgen. Die Düsen sind in erster Linie auf die Substratbehälter und Epiphyten ausgerichtet. Die Druckpumpe ist im Lichtkasten untergebracht, aber der Wassertank steht neben dem Terrarium und kann ganz einfach befüllt werden. Gesteuert werden Licht und Regenanlage über eine programmierbare Steckdosenleiste, die minutengenau am PC via LAN-Verbindung eingestellt werden kann. Verkleidet habe ich den Lichtkasten mit dünnen beschichteten Spanplatten. Die Temperaturen liegen im Terrarium zwischen 23 und 32 Grad. Auf den Sonnenplätzen werden teilweise weit über 30° erreicht. Die Wassertemperatur liegt bei 22 - 23° (ohne zusätzliche Beheizung). Die Luftfeuchtigkeit schwankt (gewollt) im Laufe des Tages. Nachts und in den frühen Morgenstunden liegt sie bei über 90% und bis zum Mittag fällt sie auf um die 60%. Erst nach einem nachmittäglichen Regenschauer steigt sie wieder. Die Grundbeleuchtung läuft 14 Stunden und die restlichen Lampen ca. 12 Stunden.

 

Pflanzen aus dem Habitat

 

Ich hatte mir für dieses Terrarium vorgenommen, nur australische Pflanzen aus den tropischen Bereichen einzusetzen und dies ist zwar nicht ganz, aber zu weiten Teilen gelungen. Neben Ficus benjamini, diversen Nestfarnen (Asplenium), Kletterpflanzen (Scindapsus, Epipremnum), Pfeilblättern (Alocasia), Eukalyptus (Eucalyptus gunnii) und anderen Palmenartigen (Livistonia, Areca), habe ich auch im Aquarium Schilf (Phragmites australis) und Wasserpflanzen eingesetzt. Als Epiphyten habe ich

Wachsblume (Hoya carnosa), Nestfarn (Asplenium nidus), Schwertfarn (Nephrolepis cordifolia duffy), Wurmfarn (Didymochlaena), Frauenharn ( Adiantum)

und andere mit Moos aufgebunden. Bis auf einen Ficus binnendijkii, einer Alocasia und einem Baumfarn sind nur australische Pflanzen verwendet worden. Hierbei wurde darauf geachtet, möglichst nicht die typischen Lauf- und Kletterwege der Agamen zu bepflanzen, sodass die Pflanzen eine höhere Chance zum Überleben erhalten. Es wird sich zeigen, ob dies gelungen ist, denn derart große Echsen sind nicht zimperlich und springen gerne mal von oben auf Pflanzen herunter.

 

 

Besatz

 

 

Eingezogen sind letztendlich 1.2 Intellagama lesueurii, die zuvor, bis auf die Quarantänezeit, nicht zusammengelebt hatten, sich aber schnell als Gruppe gefunden haben. Bereits nach wenigen Tagen hatten sie sich eingelebt und den Großteil des Terrariums für sich entdeckt. Lediglich die beiden Weibchen brauchen scheinbar etwas länger für die Eingewöhnung. Auch nach drei Wochen sind sie eher scheu und halten sie sich vorwiegend im unteren Bereich des Terrariums auf, während das Männchen bereits alle Kletter- und Liegeäste für sich entdeckt hat. Interessant ist die Tatsache, dass alle Tiere bevorzugte Schlafplätze aufsuchen. Hier sind vor allem die unteren Vorsprünge, die mit dem darüberliegenden Felsen eine Art Spalte bilden, sehr beliebt. Die Bepflanzung hat bisher auch noch keinen nennenswerten Schaden durch die großen Echsen erhalten. Vielmehr ist es eher so, dass einige Pflanzen, wie epiphytische Farne von mir falsch platziert wurden und allmählich bräunliche Spitzen an den Wedeln bekommen. Vermutlich sind sie zu dicht an der Beleuchtung aufgebunden oder bekommen sogar zu viel Regen ab. Der Eukalyptus mochte seinen Platz auch nicht und scheint einzugehen. Der Versuch australisches Schilf im Wasserteil zu etablieren hat leider nicht geklappt. Hier waren die Echsen zu schwer und haben die jungen Pflanzen nahezu komplett niedergedrückt. Im Aquarium sind nach einem umfangreichen Wassertest durch einen befreundeten Aquarianer zu den bereits eingesetzten Guppys auch Diamant Regenbogenfische eingezogen. Evtl. werden noch weitere Regenbogenfische aus entsprechenden Regionen (Zuflüsse, seichte Gewässer) hinzukommen. 

Die Fische werden bisher von den Wasseragamen vollkommen ignoriert. Andersherum ist es aber so, dass die Guppys an den Hautfetzen der Agamen knabbern und den Eindruck von Putzerfischen erwecken. Das Klima im Terrarium hat sich im Laufe der Wochen etabliert und bleibt konstant bei den o. g. Werten, relativ unabhängig von der Umgebungstemperatur im Raum. Die Regenanlage läuft dreimal täglich für eine Minute und sorgt für genügend Luftfeuchtigkeit und Bewässerung der Pflanzen. Hier ist kein zusätzliches Gießen notwendig. Insgesamt bin ich mit der Konstruktion sehr zufrieden und das Endergebnis ähnelt erstaunlicherweise sehr der zuvor erstellten Skizze. Zudem kann ich festhalten, dass ich durch die Verwendung vieler gebrauchter Elemente, wie dem Schaukasten, Aquarium, der Beleuchtung und anderem, insgesamt sogar unter 500 Euro Gesamtkosten liege. Ein nicht unerheblicher Kostenfaktor war hierbei die Bepflanzung. Neben diesem Terrarium habe ich auch eine alte Glasvitrine zu einem Terrarium für 1.1 Bronchocela cristatella umgebaut und für handwerklich begabte Terrarianer ist dies eine interessante Möglichkeit ein Terrarium auf anderem Wege und relativ günstig zu erstellen. Über Online-Kleinanzeigen werden immer wieder gebrauchte Vitrinen, Schaukästen und Aquarien angeboten. Mit etwas Geduld findet man die passenden Elemente. Aktuell habe ich bereits eine weitere Vitrine (160 x 90 x 110 cm) und ein Aquarium (160 x 70 x 70 cm) für ein weiteres Paludarium erworben. Allein das Glas aus gebrauchten Vitrinen würde neu einen immensen Kostenfaktor darstellen. Aus Alt mach Neu ist zudem eine wirklich spannende Sache.

 

 

 

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