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Immer wieder taucht dieses Thema in Foren und Portalen auf und ich habe mal versucht, alle Argumente pro und contra Freilauf zu sammeln. Diese Auflistung erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und ist auch keine wissenschaftliche Arbeit. Es ist ein Versuch, all die bisher gemachten Erfahrungen als Moderator im Wasseragamenforum zusammenzufassen.

 

Zunächst die Gründe, die gegen Freilauf sprechen:

 

Erhöht den Stress


•    erhöhter Stress schwächt das Immunsystem und kann Krankheiten begünstigen.


•    Stress kann hierbei durch


o    das Rein- und Raussetzen,
o    immer wieder  fremde Umgebung,
o    Anwesenheit von großen Prädatoren, sowie
o    ungewohnten Bewegungen (Körperbewegung Halter, Fernseher, Haustiere etc.)

entstehen.


Gefährdung der Gesundheit

 

durch falsche Klimawerte:


•    zu niedrige Luftfeuchtigkeit kann auf Dauer zu Häutungsproblemen führen,


•    zu niedrige Temperaturen können Lungenentzündung oder gar Nekrose begünstigen und

 

•    Kälte kann auch zu Verdauungsproblemen führen!


Vor allem der angeblich bevorzugte Aufenthalt von Reptilien auf einer Fensterbank . Hier ist besondere Vorsicht, denn in den meisten Fällen sind gerade Fensterbänke die kältesten Plätze in einem Zimmer! Bei Außentemperaturen von ca. 5° und Innentemperaturen von ca. 21°C sind bei der Fensterbank meist Temperaturen von 10-15° oder auf der Oberfläche noch niedriger zu messen. Je größer das Fenster desto niedriger die Temperatur. Bei bodenlangen Fenstern ist am Fußboden oft die niedrigste Temperatur zu verzeichnen.

 

Gleiches gilt für den Auftenthalt auf dem Fußboden (siehe Grafik zur Thermoregulierung in Wohnungen rechts)


•    Zugluft oder kalte Luftwirbel auf dem Boden (selbst eine für Menschen anscheinend warme Wohnung kann am Boden wesentlich kälter sein).


Störung der Rangordnung:


•    In einem Terrarium ist eine Wasseragamengruppe meist eingespielt und jeder kennt seine Plätze und seine Stellung in der Rangordnung.


•    Der zusätzliche „Platz“ führt immer wieder zu neuen Territorien und evtl. auch zu möglichen Revierkämpfen.


Erhöhte Fluchtgefahr!


•    Nicht selten kommt es vor, dass Reptilien auf einmal nicht wiederzufinden sind.


•    Ein kurzes Telefonat, Klingeln an der Tür, plötzlicher Besuch usw. können Momente schaffen, in denen die Tiere flüchten oder sich verstecken können.


•    Ebenso (vergessene) offene Türen und Fenster. Wir hatten derartige Fälle schon hier im Forum…


Reptilien sind keine Kuscheltiere


•    Es ist definitiv nicht cool, mit einem Reptil auf der Schulter oder auf dem Arm zu „posen“!


•    Trotz Gewöhnung an den Menschen kann eine letztendliche Scheu oder angeborene Vorsicht vor Prädatoren wie dem um einiges größeren Menschen nicht ausgeschlossen werden.


•    Augen schließen – so sei erwähnt – ist bei Reptilien meist eine Schutzfunktion und nicht ein Ausdruck von Wohlbehagen!


•    Ein anscheinend passives Verhalten ist auch kein Ausdruck von Wohlbefinden, sondern gemäß der Thermoregulation verhält sich ein Reptil außerhalb seiner Parameter inaktiv.


•    Ein anscheinendes  „Kuscheln“ am Körper des Menschen ist kaum ein Ausdruck von Zuneigung, sondern womöglich findet das Reptil am menschlichen Körper ausreichend Wärme, die ihm die sonstige Umgebung nicht bietet.


Größeres Risiko von Scheibenspringen


•    Wasseragamen erkennen Scheiben nicht als Hindernis, aber in einem eingespielten Terrarium hat – wie gesagt – jeder seinen Platz und Scheibenspringen ist eher die Ausnahme.


•    Durch das ständige Rausnehmen wird der zusätzliche Raum womöglich auch als Revier angesehen und die Tiere versuchen durch Scheibenspringen oder „Scheibenlaufen“ zu diesem zusätzlichen Territorium zu gelangen.  


•    Oft hört man dann die Ausrede: Aber das Tier kommt doch von alleine raus und rennt schon ungeduldig an der Scheibe rum. Ich denke, hier wird menschliches Verhalten falsch auf das Tier übertragen und etwas ins „Scheibenlaufen“ interpretiert, was nicht einem Wunsch der Agame entspricht. Gründe können Revierkämpfe und damit verbundene Fluchtversuche, falsche Haltungsbedingungen (Terrariumgröße, Temperatur) und anderes sein.
 

Erhöhte Verletzungsgefahr!


•    Schon im Terrarium ist es schnell passiert: Der Schwanz ist abgeknickt oder eine Kralle ist ab – Dieses Verletzungsrisiko erhöht sich aber immens beim Freilauf.


•    Menschliche Wohnungen haben zu viele Einklemmmöglichkeiten, scharfe Kanten und Gegenstände, Stoffe und Teppiche in denen die Krallen sich verhaken können, sowie andere Faktoren wie heiße Lampen, Strom allgemein und Heizkörper.


•    Glatte Flächen erschweren die Fortbewegung und bei möglichen Fluchtversuchen wird Stress durch Ausrutschen, Schliddern und "Nicht-Vorankommen" überproportional gesteigert.


•    Auch besteht die Gefahr, dass kleinere Gegenstände vom Tier als Futter angesehen werden und schnell mal verschluckt werden.


•    Die Belastung durch Hausstaub, Hausmilben und anderem sollte auch nicht unterschätzt werden.


Verletzung der Menschen durch die Tiere!


•    Die Krallen von Reptilien, sowie der Schwanz sind nicht zu unterschätzen und ein Ohrläppchen kann durchaus mal als Futter angesehen werden.


•    Oder ein plötzlicher Schreckmoment führt zu einer Abwehrreaktion des Reptils und ein schöner Kratzer zieht sich durchs Gesicht.


•    Wenn der Mensch dann noch überreagiert fliegt das Reptil womöglich auch noch quer durch die Wohnung.


•    Auch die Schlagkraft mit dem Schwanz ist bei den meisten Reptilien nicht zu unterschätzen.


Argumente gegen die Haltung von Exoten!


•    Auch dieser eher politische Aspekt sollte nicht unerwähnt bleiben, denn eine nicht unerhebliche Anzahl von Organisationen und Verbänden steht der Haltung von Exoten grundsätzlich kritisch gegenüber und sie suchen förmlich nach weiteren Gründen, warum man die Exotenhaltung verbieten oder verschärfen sollte.


•    Fotos von Reptilien in menschlicher Umgebung, auf der Schulter oder am Fenster sind gern genommene Beispiele gegen eine vernünftige Haltung von Reptilien.


•    Verantwortungsbewusste Haltung ist (in den meisten Fällen) nur in einem richtigen Terrarium möglich!

 



Kommen wir nun zu den oft angeführten Argumenten für den Freilauf, wobei ich mir direkt kritische Anmerkungen erlaubt habe.


Die Tiere wollen selber raus, denn sie laufen an der Scheibe entlang und klettern direkt raus, sobald die Scheibe aufgeht!


•    In den meisten Fällen stimmen die Haltungsbedingungen wie Terrariumgröße und Temperatur nicht und das Tier sucht nach den richtigen Plätzen, die ein Reptil zum überleben benötigt (Wärme, Licht etc.).


•    Das Scheibenlaufen kann auch Fluchtverhalten vor Artgenossen sein und eine Herausnahme verzögert die Rangordnungskämpfe meist nicht nur, sondern sie verschlimmert die Lage durch späteres Einsetzen des flüchtenden Reptils in die beruhigte Gruppe.

 


Das Handling erleichtert den Tierarztbesuch und mindert Stress


•    Dies Argument trifft zwar teilweise zu


•    aber Handling heißt nicht, dass das Tier Freilauf haben muss, bzw. dass es in der Wohnung herumgetragen wird oder auf der Schulter des Halters sitzt.


•    Handling ist meines Erachtens schon das Füttern per Pinzette und die Gewöhnung an die Anwesenheit von Menschen.


•    Die tatsächliche Herausnahme für Tierarztbesuche ist im Normalfall so selten, dass ein Reptil deshalb nicht unweigerlich handzahm sein muss. Zudem ist es kaum möglich ein Reptil auf einen Tierarztbesuch zu trainieren. Angefangen beim einfangen, Transport mit Autogeräuschen, Wartezimmer mit anderen Tieren (Gerüche, Geräusche etc.), Untersuchung, Behandlung und Rückfahrt ist nur schwerlich zu konditionieren!


•    Zudem ist es ein Irrtum, wenn man meint, ein Reptil für einen etwaigen Tierarztbesuch abrichten zu müssen. Reptilien haben als solches keine Möglichkeit zu abstrahieren. Ein Besuch bei einem TA entspricht immer neuen Bedingungen und kann nicht ein Jahr lang geprobt werden.


Der Freilauf sorgt für mehr Bewegungsmöglichkeiten


•    Dieses Argument wird auch gerne genommen! Warum sollte man mehr Bewegungsmöglichkeiten schaffen, wenn das Terrarium groß genug ist? Das mögliche Gegenargument, dass der Platz gar nicht groß genug sein kann ist im eigentlichen Sinn ein Argument gegen jegliche Haltung von Exoten und kein Argument und für den Freilauf! Wenn es nicht möglich wäre, ein Reptil artgerecht in einem ausreichend großen Terrarium zu halten, dann sollte die Haltung doch nicht stattfinden!


Das Tier freut sich über Freilauf und rennt fröhlich herum


•    Hierzu fällt mir meist gar nix mehr ein. Aufgrund welcher ethologischer Vergleiche und Verhaltensdeutung kommt ein gewöhnlicher Halter zu solchen Rückschlüssen? Einige Verhaltensweisen von Reptilien sind durchaus bekannt, aber ein vollständiges Ethogramm ist sicherlich keinem normalem Halter bekannt, so dass Unterschiede zum normalen Verhalten, Erscheinungsbild und artspezifischen Merkmalen beim Freilauf sicherlich nicht erkannt werden und „fröhliches Rum-Gerenne“ auch genauso gut Panik und Flucht sein können.


Einen habe ich noch...und man verzeihe mir das schmunzeln…


5. Ich will meine Tiere nicht einsperren!


Die beste Möglichkeit wäre bei dieser Einstellung, gar keine Tiere zu halten.

 

Entschuldigt, aber ein Argument ist mir letzten bei Facebook noch über die Tastatur gerannt:

 

6. In der Natur laufen die auch frei herum!

 

Brüller... da muss man einfach gar nichts mehr zu schreiben...
 


 

Diese Auflistung habe ich mit Beiträgen aus dem Wasseragamenforum und anderen Foren sowie eigenen Ergänzungen erstellt. Eine Diskussion hierzu findet ihr hier!

 

Abschließend sei noch erwähnt, dass in sehr wenigen Fällen und bestimmten Vorbedingungen eine Zimmerhaltung oder ein Freilauf evtl. möglich ist, aber in Bezug auf den Großteil der Reptilien sollte von Freilauf oder Zimmerhaltung abgesehen werden ...

  

Shortcut-url: http://bit.ly/1zyUcAp

 

 

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